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ADR - Alternative Dispute Resolution: Unter ADR werden in Gegenüberstellung zur gerichtlichen Streiterledigung eine Reihe unterschiedlicher, allesamt als freiwillig bezeichnete Verfahren gerechnet,
die im Wesentlichen in die drei Bereiche Verhandlung – Vermittlung - Schiedsverfahren unterteilt werden. Daneben gibt es im common law Bereich (z.B. Australien, England, USA) noch weitere, hybride Formen
nicht-gerichtlicher Streiterledigung, die sich mehr oder weniger einer dieser drei Grundformen zuordnen lassen (z.B. "minitrial", case appraisal). Die Unterschiede der verschiedenen ADR-Verfahren liegen insbesondere
im Grad der Einbeziehung, der ermittelnden Funktion und dem inhaltlichen Einfluss neutraler Dritter bei der Konfliktbearbeitung. Das Schiedsverfahren ist eine Form der Streitbeilegung, die eher den gerichtlichen
Verfahren als den „alternativen" Verfahren der Konfliktlösung ähnelt, sofern es mit einem Schiedsspruch abgeschlossen wird. Anders als im internationalen Bereich wird in Deutschland unter „alternativem"
Konfliktmanagement im wesentlichen Mediation verstanden, was sich zu einem auf die unterschiedlichen Rechtstraditionen andererseits auf die methodischen Stärken des Mediations verfahrens zurückführen lässt.
Mittlerweile spricht man immer noch von ADR, anders als in den in den Anfangsjahren wird heute das zur justiziellen Konfliktregelung andersartige Verfahren mit demselben Akronym als „Appropriate Dispute
Resolution", also als „passendes", angemessenes Verfahren der Konfliktregelung bezeichnet. Der justizförmige Weg des Gerichtsverfahrens und die richterliche Determination des Konflikts soll auf einem Kontinuum
unterschiedlicher Streiterledigungsverfahren tatsächlich als "ultima ratio" am Ende der Liste stehen.
Aktives Zuhören: ist ein einfühlendes Eingehen auf den Anderen, bei dem man zu verstehen sucht, was die andere Person bewegt, fühlt und zum Ausdruck bringen möchte, ohne dass dabei der Eindruck entstehen darf, man übernehme deren Sichtweise. Es geht um das richtige Verstehen des Gesagten und der Person des Sprechenden, nicht um Zustimmung. Der Vermittler erkundet und entschlüsselt den Inhalt der Mitteilung, den Gefühlsinhalt und die Wünsche des Erzählenden. Durch aktives Zuhören wird Aufmerksamkeit, Interesse und Akzeptanz mitgeteilt. Der Erzählende soll so ermutigt werden zu sprechen, fortzufahren, sich zu öffnen. Das Gespräch kann an Tiefe, der Zuhörer an Verständnis gewinnen. Der Vermittler achtet dabei auf den nichtsprachlichen Ausdruck wie Stimme, Betonung, Mimik, Blickkontakt, Körpersprache ebenso wie auf sprachliche Äußerungen. Insbesondere kann es hilfreich, ggf. notwendig sein, dass Gehörte zusammen zu fassen, zu spiegeln, zu doppeln oder (positiv) umzuformulieren ( Mediationstechniken). Damit, durch das Zurücksenden der Botschaft, tritt der Zuhörende den aktiven Beweis an, dass er den Sender verstanden hat. Falls sich Missverständnisse eingeschlichen haben, kann dies sofort bemerkt und korrigiert werden.
BATNA: Best Alternative To a Negotiated Agreement = "Nichteinigungsalternative"
. Element aus dem „Harvard Modell für sachgerechtes Verhandeln". Die Verhandlungsstärke einer Partei hängt davon ab, wie attraktiv die Alternativoptionen bei einem Scheitern der Verhandlungen sind.
B to B – Business to Business (siehe Unternehmensmediation)
Diskurs: regelgesteuerte Denk- und Redepraxis.
Gemeinwesenmediation: unabhängig vom jeweiligen Konflikt- und Arbeitsfeld alle konsensbezogenen Vermittlungsleistungen zur Regelung der Konflikte im sozialen Nahraum der Bürger, die
von öffentlichen oder gemeinnützigen Leistungsträgern angeboten werden. Dies reicht von sog. Verbrauchersachen, Familien- und Generationenkonflikten, Gruppen- und Teamkonflikten insbesondere in Einrichtungen, über
die peer- und Schulmediation und sog. Konfliktlotsenprogramme, bis hin zu den Streitigkeiten im Bereich der Nachbarschaft oder dem sog. Täter-Opfer-Ausgleich in strafrechtlich relevanten Konflikten.
Interessen: das hinter den --> Positionen (Forerung) stehende Anliegen einer Partei. --> weiter
Konflikt (interpersonaler):
eine Interaktion zwischen Personen wobei wenigstens eine Person eine Unvereinbarkeit im Denken, Wahrnehmen, Wollen und/oder Interesse als Beeinträchtigung erlebt. Konflikte sind meistens mit negativen
Erfahrungen, Unannehmlichkeiten, Stress und Leistungsverlust verbunden. Konflikte sind aber nicht per se negativ, sondern nur ein destruktives Konfliktverhalten. Konflikte bergen in sich auch die Chance zur
positiven Veränderung und Fortschritt. Nicht bearbeitete Konflikte haben aber die Tendenz zu eskalieren und eine Verständigung zunehmend schwerer zu machen.
Konfliktschlichtung: vgl. Schlichtung.
Konstruktivismus: bildet
die erkenntnistheoretische Grundhaltung für die meisten Mediatoren. Die Neuro- und Kognitionswissenschaft geht heute davon aus, dass die Fähigkeit zur Wahrnehmung auf der Fähigkeit basiert, die gesamte Erfahrung zu
organisieren. Es ist die Fähigkeit des Menschen, seine vergangene Erfahrung kontinuierlich mit den gegenwärtigen Sinnesreizen synthetisch zu verbinden. Die Farbe der Orange, die Größe einer uns sich nähernden Person
etc. ist in unserer Wahrnehmung orange bzw. so groß wie ein Mensch, weil wir es so kennen und erwarten. Was wir erwarten, erinnern, also schon in uns haben, prägt unsere Wahrnehmung. Wahrnehmung ist also ein aktiver
Prozess und nicht nur eine passive Verarbeitung von Umweltreizen durch die Sinnesorgane. Nie können wir die Wirklichkeit „an sich" erleben. Chinesisches Sprichwort: Jede Sache hat drei Seiten, eine die du siehst,
eine die ich sehe und eine, die wir beide nicht sehen. Immer vermischen sich die Perzeption von Sinnesreiz und Informationsverarbeitung. Wahrnehmung ist somit gleichzeitig immer auch subjektiv und selektiv, ist
immer Interpretation und Konstruktion. Der Konstruktivismus lenkt den Fokus weg von den zu beobachtenden Objekten hin zu dem wahrnehmenden Subjekt, seinen internen Strukturen, seinen Filterungs- und Bewertungs-
prozessen. Wahrnehmung wird als einen subjektiv bestimmter Vorgang erkannt, der gesteuert werden kann. Ein gänzlich objektiver Blick, ein Blick ohne Brille, scheint für den Menschen nicht möglich zu sein.
Wirklichkeit erscheint also immer als soziale Konstruktion, die in der Kommunikation mit anderen als Konsens ausgehandelt und hergestellt wird bzw. werden kann. Andererseits gelingt dieser Prozess der
Herstellung gemeinsamer Konstruktionen nicht immer. Ob und inwieweit es gelingt, eine gemeinsame Geschichte zu finden, Konsens herzustellen, ist von höchst unterschiedlichen Faktoren abhängig. Die Selektivität der
Wahrnehmung ist gerade in Konfliktsituationen besonders stark ist ("Scheuklappen-Effekt"). Die ständige funktionale Anpassung der Konstruktionen von Wirklichkeit ist ein entscheidender Ansatzpunkt für die
Intervention im Rahmen einer Mediation. Für Mediatoren ergibt sich aus der konstruktivistischen Herangehensweise die Verantwortung, die Vielzahl möglicher Realitätsentwürfe zu akzeptieren, Differenzen zu benennen
und einen Wechsel der Perspektiven zu ermöglichen und zu fördern ("Öffnen der Scheuklappen"). Mediatoren sollten nicht bewerten, sondern Freiräume schaffen für die Wahrnehmung und Austragung unterschiedlicher
Sichtweisen und Interessen.
Mediation: ist ein
freiwilliges, informelles, nicht öffentliches Verfahren konstruktiver Regelung von offenen Fragen bzw. Konflikten, bei dem die Parteien eines (Rechts-)Streits mit Unterstützung eines unparteiischen Dritten, des
Mediators, einvernehmliche Regelungen suchen, die ihren Bedürfnissen und Interessen dienen. Ziel und Wesensmerkmal der Mediation ist die autonome, konsensuale Regelung der Streitfragen, ggf. sogar Konfliktlösung
durch die beteiligten Parteien selbst. --> Was ist Mediation?
Mediatoren: Mediatoren sind besonders geschulte, unabhängige und unparteiische Vermittlungs- personen, die die Parteien dabei unterstützen, die strittigen Themen und
Streitpunkte zu identifizieren sowie Lösungsoptionen zu erarbeiten. Die Aufgaben der Mediatoren bestehen im Wesentlichen darin, den Verhandlungsprozess zwischen den Parteien unterstützend zu begleiten, in dem sie
die spezifische Struktur und Methode der Mediation einsetzen. Mediatoren sind Initiatoren für neue Regelungsprozesse, keine Richter und keine Schlichter. Sie verfügen im Hinblick auf den Streitgegenstand über keine
Entscheidungs- oder Lösungskompetenz. Sie müssen neutral sein (d.h. dürfen kein eigenes Interesse am sachlichen Ausgang des Konflikts haben) und allparteilich die Parteien darin unterstützen, dass sie ihre
Interessen und Bedürfnisse zu einem Ausgleich bringen können.
Insoweit sind sie dafür verantwortlich, dass eine tragfähige und konsensuale Lösung erreicht wird. Durch eine gute Strukturierung des Verfahrens, durch den Einsatz passender Verhandlungstechniken (z.B. Zuhören, aktives; Paraphrasieren) und die empathische Grundhaltung unterstützen sie die Konfliktparteien, sich über ihre Interessen klar zu werden und geeignete Lösungen zu finden. Im Gegensatz zum Schlichter machen sie keine eigenen inhaltlichen Lösungsvorschläge. In der Mediation findet auch keine Rechtsberatung statt.
Mediationstechniken: Die Kommunikation zwischen sich streitenden Parteien, den Sendern und Empfängern von Nachrichten, gerät auch in Mediationsverfahren gelegentlich in
schwierige Situationen. Hier ist es dann eine große Hilfe, wenn die Mediatoren nicht nur die Abläufe und Fallstricke von Kommunikationsprozessen (er)kennen, sondern zu deren Überwindung eine Vielzahl an Methoden
(z.B. Prinzipien der klientenzentrierten Gesprächsführung nach C. Rogers) und Techniken der Gesprächsführung (Spiegeln, Reframing, Doppeln, Reflecting Team, .... --> Mediationstraining) beherrschen. Dieses „Handwerkzeug", eine Auswahl von Grundtechniken, sollte man in der Mediationsausbildung erlernen, in der Praxis der Mediation aber nicht unreflektiert einsetzen, sondern mit sich führen und bedarfsgerecht, ebenso gezielt wie intuitiv, anwenden können. Wichtig ist in allererster Linie nicht die Technik, sondern die hierin zum Ausdruck kommende Haltung!
Moderation: durch Dritten gesteuerter, strukturierter Ablauf eines Konfliktgesprächs. Ziel der Moderation ist es, den Beteiligten Kommunikationswege aufzuzeigen, so dass sie in Zukunft ihre Streitfragen eigenständig regeln können. Die methodischen Interventionen der Moderatoren als Verhandlungs- und Konferenzleiter sind weniger intensiv als bei einer Mediation und werden in noch nicht so verhärteten Konfliktstadien eingesetzt.
Nullsummen- und Nichtnullsummenspiele: In Nullsummenspielen stellt der Verlust der einen Partei den Gewinn der anderen Partei dar. Der Gewinn und Verlust belaufen sich zusammengezählt immer auf Null.
In Nichtnullsummenspielen gleichen sich Gewinn und Verlust nicht aus. Die Summe von Gewinn und Verlust kann über oder unter Null liegen. Es können beide Parteien verlieren oder gewinnen. In der Mediation werden die
Streitparteien dabei unterstützt, sich von ihren antagonistischen Positionen zu lösen und Lösungsoptionen zu entwickeln, die den Bedürfnissen und Interessen beider/aller Beteiligten dienen, sog. win-win-Situation.
Positionen: (rechtliche)
Ansprüche und Forderungen, die von den Parteien im Konflikt und insb. im Rahmen einer gerichtlichen Auseinandersetzung erhoben werden und deshalb nicht miteinander vereinbar sind. Häufig nur das vermeintliche
das kurzfristig formulierte Ergebnis ("what"), um welches gekämpft wird. Demgegenüber sind die (sozialen, wirtschaftlichen, emotionalen, …) Interessen
die "dahinter" stehenden eigentlichen Anliegen und Motivation ("why"), aufgrund derer in den Konflikt gegangen wurde, die aber nicht zwingend konträr zu den Interessen der anderen Partei sein müssen, was man aber mangels Kommunikation nicht weiß. Interessen reichen mitunter weit in den Bedürfnisbereich hinein, also den Bereich der elementaren Wünsche und Notwendigkeiten für das Wohlbefinden, die nahezu alle Menschen teilen (Anerkennung, Sicherheit, …). In der Mediation geht es darum, die Positionsebene zu verlassen, um auf der Interessensebene Möglichkeiten der Verständigung und ggf. Übereinstimmung auszuloten.
Schlichtung: Der Begriff
„Schlichtung" unterscheidet sich im Hinblick auf die Entscheidungskompetenz des Dritten semantisch wie konzeptionell eigentlich von dem der Mediation, er wird aber in Deutschland mittlerweile als Synonym für die
Vermittlungstätigkeit verwendet. Entscheidend ist letztlich die Rolle und Funktion und damit das methodische Vorgehen des Dritten. Mediatoren entscheiden nicht
in der Sache, nicht "für" oder "über" die Parteien, sie schlagen weder einen Kompromiss vor noch drängen sie die Parteien in den Vergleich. Die Parteien können ihre Lösung oder Regelung selbst finden, damit ihnen nicht eine "Lösung" durch einen Dritten auferlegt wird. Dabei stellt sich meistens heraus, dass man das "entweder - oder" überwinden kann und die Parteien - oft sogar über den ursprünglichen Streitgegenstand hinaus - "gewinnen", d.h. mit Blick in die Zukunft eine Lösung oder Regelung finden können, die ihren Interessen gleichermaßen und nachhaltig dient.
Spiegeln: eine von zahlreichen Kommunikationstechniken von Mediatoren.
Beim Spiegeln oder paraphrasieren wird der Gesprächsinhalt, die Aussage des Senders, mit eigenen Worten kurz wiedergegeben, um deutlich zu machen, dass das Gesagte beim Empfänger richtig angekommen,
verstanden worden ist. Der ursprüngliche Sender hat damit die Gelegenheiten, Missverständnisse aufzudecken; er hat die Möglichkeit, seine Aussagen zu wiederholen, bis er verstanden wird. Beim Spiegeln muss der
Empfänger darauf achten, die Sichtweise des Anderen darzustellen, ohne die Aussage zu bewerten. Es sollte nicht jede Aussage stereotyp gespiegelt, sondern darauf geachtet werden, nur die wesentlichen Aussagen zu
wiederzugeben, da sonst die andere Person den Eindruck bekommen könnte, sich nicht richtig ausdrücken zu können.
Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) oder besser der
aussergerichtliche Tatausgleich
(ATA) ist das Angebot an Geschädigte und Beschuldigte einer Straftat, mit Hilfe eines Vermittlers eine von allen Beteiligten akzeptierte und mitgetragene Regelung zu finden, die geeignet ist, Konflikte, die zu der Straftat geführt haben oder durch sie verursacht wurden, beizulegen oder zumindest zu entschärfen. Der TOA/ATA ist also - ungeachtet einiger spezifischer Besonderheiten - ein spezifisches Anwendungsfeld der Mediation in (strafrechtlich relevanten) Konflikten. Er umfasst in der Regel die Konfliktberatung und/ oder Konfliktschlichtung, eine Vereinbarung über die Wiedergutmachung sowie auf Seiten der Justiz die Berücksichtigung der Ausgleichbemühungen im Strafprozess. --> link zur Internetseite des TOA- Servicebüros.
Unternehmens- und Wirtschaftsmediation bezeichnet ein Arbeitsfeld der konsensualen Regelung von offenen Entscheidungsprozessen und Konflikten im Bereich wirtschaftlich-kommerziell tätiger Unternehmen (Betriebe, Gesellschaften, Konzerne, …) oder sozialer bzw. öffentlicher Organisationen (Behören, Krankenhäuser, Vereinen ...). Während Unternehmensmediation überwiegend Verfahren und Regelungsprozesse innerhalb von Organisationen/Systemen bezeichnet (z.B. im Hinblick auf Konflikte am Arbeitsplatz, Streit zwischen Mitarbeitern; Mobbingvorwürfe, Konflikte zwischen Teams und Abteilungen, Berufsgruppen und Disziplinen; insb. Vermittlung in Familienbetrieben), wird Wirtschaftsmediation häufig für die Mediation zwischen Unternehmen und Geschäftspartnern (B to B – Business to Business) verwendet. In Deutschland haben sich die in diesem Arbeitsfeld überwiegend tätigen Mediatoren im Bundesverband Mediation für Wirtschaft und Arbeitwels (BMWA) zusammen geschlossen, deren Mediatoren nach strengen Qualitätskriterien zertifiziert sind.
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